Maja Bajevic

Double Bubble (2001)

Maja Bajevic: Double Bubble (2001)

Installationsansicht der Ausstellung Handlungen, die Handlungen setzen
Foto: Hans-Jürgen Wege

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Die verdoppelte Luftblase oder das Brodeln der Oberfläche

Eine dunkelhaarige, schwarz gekleidete weibliche Figur - in ihrer Körperlichkeit in streng komponierten, aufeinander folgenden Einzelbildern inszeniert - ist in unterschiedlichen dramatisch be- oder vielmehr erleuchteten, streng geometrischen architektonischen Settings positioniert. Dunkle Schluchten und lichtdurchflutete Korridore, die die BetrachterIn gleichsam ins Bild ziehen, tun sich immer wieder auf und werden in der Abschlusssequenz von den durch die Wolken brechenden, die Welt erhellenden Sonnenstrahlen (die ironischerweise eine Blendung bewirken) zu einem "guten Ende" geführt.

Diese suggestiven Kompositionen bilden die visuelle Ebene des Videos Double Bubble (2001) der in Paris lebenden Künstlerin Maja Bajevic. Sie werden von einer weiblichen Stimme begleitet, die entkoppelt von der Körperlichkeit der weiblichen Figur als Echos von (und innerhalb) der Architektur immer wieder zurückgeworfen wird und Schizophrenien religiöser Identitäten, aus einer dezidiert männlichen Perspektive, artikuliert.

Durch das Nebeneinander der jeweiligen Ansprüche der Angehörigen der unterschiedlichen Religionen auf die eine Wahrheit, werden die einzelnen Ansprüche, zumal sich alle auf den Gott als Legitimationsfigur für die jeweilige Gewalt berufen, ad absurdum geführt, zugleich aber auch in ihrer frappierenden Ähnlichkeit offen gelegt. Der "gute Hirte", der auf den eigenen Vorteil bedacht, in einer Pervertierung des christlichen Gleichnisses, das Wohl der ihm anvertrauten Schäfchen ignoriert, steht exemplarisch für die Widersprüchlichkeit innerhalb der einzelnen Artikulationen. Alles hat seinen Preis, wie wir an anderer Stelle zu hören bekommen, auch die Vergebung der Sünden. Der Preis der (zu) wörtlich genommenen religiösen Regeln, den Bajevic offen legt, liegt im Verlust beziehungsweise einer Pervertierung der Handlungsfreiheit des Einzelnen, die eine kritische Selbstüberprüfung hinfällig machen.

Sonja Parzefall

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Quelle: http://dieregierung.uni-lueneburg.de/bajevic.php