Kunstraum der Universität Lüneburg Museu d'Art Contemporani de Barcelona | Miami Art Central | Secession Wien | Witte de With Center for Contemporary Art Rotterdam

Scharnhorststr. 1, D-21332 Lüneburg, kunstraum@uni-lueneburg.de, Tel 04131/78-1210, Fax -1246 » Wegbeschreibung » Newsletter bestellen

13. und 14.01.2006
Abschluss-Workshop
Lüneburg
- - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - -
29.04.- 19.06.2005
Ausstellung
Be what you want but stay where you are
Rotterdam
» Witte de With
- - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - -
24.02. - 24.04.2005
Ausstellung
Paradiesische Handlungsräume
Wien
» Secession
- - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - -
29.11.2004 - 30.01.2005
Ausstellung
How do we want to be governed? (Figure and Ground)
Miami
» MAC
- - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - -
22.09. - 07.11.2004
Ausstellung
Com volem ser governats?
Barcelona
» MACBA
22.09.04 Institut Barri Besòs
07.10.04 Palo Alto nau XYZ
21.10.04 Centre Cívic de La Mina
- - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - -
29.04. - 20.05.2004
Ausstellung
Handlungen, die Handlungen setzen
Lüneburg
- - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - -
30. und 31.01.2004
Symposion
Bildet Regierungen!
Lüneburg
- - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - -
29.01. - 12.02.2004
Ausstellung
Die Universität ist eine Fabrik
Lüneburg
- - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - -
28. und 29.11.2003
Symposion
La construcción del público
Barcelona
» MACBA
- - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - -
06.11. - 13.11.2003
Eröffnungsausstellung
Lüneburg
- - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - -

 

kulturstiftung des bundes

 

Ines Doujak

Boxes (2001)

Ines Doujak: Boxes (2001)

Installationsansicht der Eröffnungsausstellung
Foto: Kunstraum der Universität Lüneburg

» Vergrößerung
» Bild in Druckqualität (300 dpi)

Nach Foucault kann der Eintritt des Lebens in die Geschichte als Geburtsstunde der Moderne verstanden werden. Sowohl der individuelle Körper als auch die gesellschaftlichen Prozesse, die nun als biologisch determiniert aufgefasst werden, sind im 19. Jh. Gegenstand der modernen Regierungsrationalität. In der Moderne wird demnach der gesellschaftliche Handlungsraum nicht mehr bloß als Effekt ökonomisch-rationaler Beziehungen aufgefasst, sondern als natürlicher Lebensraum definiert, der gegenüber inneren und äußeren Gefahren verteidigt werden muss.

In der Perspektive der modernen Biomacht lassen sich diese gesellschaftlichen Gefahren nur in rassistischen Kategorien identifizieren. Physiognomische Eigenschaften, die den "ursprünglichen" Erscheinungsbildern "gefährlicher Menschentypen" zugeordnet werden, führen so zu gesellschaftlichen Stigmatisierungen und Ausgrenzungen. Nach Foucault ist der biologistische Rassismus dem Geflecht des modernen Wahrheitsregimes immanent, dessen Kontingenz nur durch eine kritische Haltung sichtbar gemacht werden kann.

Ines Doujaks Arbeit greift in vielfacher Weise den Kontingenzcharakter der Moderne auf: Vor dem Hintergrund der‚Specific Objects' des Minimalisten Donald Judd lassen sich Doujaks Schachteln als Objekte lesen, die erst durch ihre Relationalität und formale Übereinstimmung eine willkürliche aber situativ gültige Wahrheit erschaffen. Doujaks Arbeit repräsentiert so die theatralische Dimension von Wahrheitsregimen.

Die bildliche Darstellung des bestimmten Typisierungsprofils, nämlich das eines orthodoxen männlichen Juden, verweist nicht nur auf die an Wahrnehmungskonventionen gebundene Dimension der fotografischen Aufzeichnung, sondern auch auf die Relationalität und Kontingenz rassistischer Zuschreibungen.

Die Frage nach der Funktionsweise des Antisemitismus kann jedoch nicht so eindeutig geklärt werden, wie es zunächst erscheint. Die Typisierung des orthodoxen Juden operiert nicht nur über die scheinbar offensichtlichen körperlichen Merkmale der Beschneidung und des angeblich typischen Nasenschnitts, sondern ebenso über die weiße Hautfarbe. Vor dem Hintergrund einer Variante des Rassismus, die die Hautfarbe und nicht die inneren, religiösen Merkmale als zentrale Unterscheidungskategorie verwendet, führt dieses Typisierungsmodell unweigerlich zu Paradoxien.

Sophia Prinz

» Druckversion