Dierk Schmidt

denk alles, Ohne Titel, lauf weg (1994)

Dierk Schmidt: denk alles, Ohne Titel, lauf weg (1994)

Installationsansicht der Ausstellung Handlungen, die Handlungen setzen
Foto: Hans-Jürgen Wege

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Wie erreicht man eine polarisierte Form der Abstraktion und behält gleichzeitig eine Gegenständlichkeit bei? Aus Leerstellen, die ein Noppenraster hinterlässt, das sich durch das Triptychon zieht, sind Gegenstände assoziierbar. Das Raster bildet Konturen von Nichtformen, eigentlich reinen gelben Flächen mit minimalen Details, die dem Betrachter Denkrichtungen anbieten, aber gleichzeitig keine endgültige Interpretation zulassen.

Denk alles, so der Imperativ im ersten Bild, fordert auf, nicht nur die gegenständlichen Umrisse, sondern ebenfalls die Leerräume zu denken. Denk alles und Ohne Titel erlauben ein Verharren, eine assoziative Gedankenkette, die unabgeschlossen bleibt. Der Dialog zwischen Bild und Betrachter öffnet einen Raum indem sich die Assoziationen akkumulieren, aber nicht zu einer Gewissheit verdichten. Durch kleine Details und Hinweise wird die Gedankenrichtung des Betrachters zwar gelenkt, aber dennoch nicht fixiert, dafür werden ihm zu viele Lesarten geboten.

Lauf weg setzt sich farblich von den zwei anderen Arbeiten ab. Der Imperativ dieses dritten Teils bildet ein Fluchtelement und bringt Bewegung, die das Verharren durchbricht. Ein Fußabdruck und ein Rad bieten sich als Vehikel an, um der Aufforderung Folge zu leisten.

Die universellen Imperative Denk alles! und Lauf weg! bauen in dieser Arbeit ein Spannungsverhältnis auf. Während Denk alles und Ohne Titel ein retardierendes Moment bilden und den Betrachter zurückhalten wirkt Lauf weg eher befreiend. Trotzdem bleiben beide Aufforderungen sehr universell und bieten keine konkrete Handlungsanweisung.

Polina Stroganova

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Quelle: http://dieregierung.uni-lueneburg.de/schmidt.php