Alan Sekula

School is a factory (1978/80)

Alan Sekula: School is a factory (1978/80)

Installationsansicht der Ausstellung Die Universität ist eine Fabrik
Foto: Eva Kristina Schubert

» Vergrößerung
» Bild in Druckqualität (300 dpi)

Seit nunmehr zwei Jahrhunderten tritt die Darstellung ökonomischer Gefüge in Gestalt von Balken-, Kreis und Tortendiagrammen auf. Nicht nur, dass die bequeme Übersichtlichkeit dieser „Business-Grafiken“ die Tatsache vertuscht, dass sich die gesellschaftliche Wirklichkeit einer vollständigen Überschaubarkeit entzieht – sie unterstellt zudem, dass die Welt durch mathematische Formeln offensichtlich wird. Statistisch gesehen spielt jedoch die unmittelbare „Mikrophysik der Macht“, die alltägliche Unterwerfung des Individuums unter das neoliberale Dogma, keine sichtbare Rolle.

Mit seiner Arbeit School is a Factory, die - wie der Titel bereits verrät - die wirtschaftspolitische „Regierungsrationalität“ von US-Bildungsinstitutionen beleuchtet, löst sich Allan Sekula von den hegemonialen Konventionen des ökonomistischen Bildrepertoires und fordert dazu auf, die „Objektivität“ herkömmlicher Dokumentarfotografie und Abbildverfahren zu hinterfragen. Sekula zeichnet ein Bild vom Lern- und Arbeitsalltag eines südkalifornischen Community-Colleges, das ein ganz anderes Image vermittelt als ein „Wissenschaftsmanager“ sich ausmalen würde: In den standardisierten, „technizistischen“ Rahmungen des Kamerobjektivs scheinen sich die ausdruckslosen Blicke der Studierenden widerzuspiegeln. Dabei wird das fotografisch fixierte Moment der individuellen „Dressur“ um solche Texte ergänzt, die von den begrenzten beruflichen Aussichten der College-StudentInnen erzählen - vor allem, wenn sie sich der „Eintrichterung“ ökonomischer Imperative widersetzen. So verdingt sich hier selbst der einzige Absolvent einer Elite-Universität – ganz klassisch – als linksintellektueller Taxifahrer.

Diese scheinbar rein subjektive Perspektive ist von Schautafeln durchsetzt, die in objektivistischer Attitude die kapitalistische Gegenwart repräsentieren: Hinter dem modernistischen Trugbild einer „universalen Bildersprache“ offenbart sich jedoch die genuine Kontingenz und kulturelle Kodierung der verwendeten Zeichen, die so eher zu Symbolen der ökonomischen Willkür avancieren. Angesichts einer „effizienzsteigernden“ Umgestaltung der bundesrepublikanischen Hochschullandschaft einer sich neuerlich entzündenden Debatte um die „creative industries“, die die Verwertung künstlerischer Arbeitsweisen als zukunftweisendes Modell neoliberaler Selbstverantwortung in den Blick nimmt, erscheint Sekulas Darstellung der „kreativen“ Ausbildungsberufe von 1978/79 sowie die Analogisierung von Kunsthochschulen und „Industrieparks“ in einer ungebrochenen Aktualität.

Sophia Prinz

- - -
Quelle: http://dieregierung.uni-lueneburg.de/sekula.php